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Der
spukende Küchenmeister
Vor
Jahren stand in Dargun an der Stelle des Schlosses das
alte Kloster. Dort lebte der Küchenmeister Kophamel, der
nicht nur die Küche und die Speisekammer der Mönche
beaufsichtigte, sondern auch die bedeutenden
Küchengeräte des Klosters zu überwachen hatte. Er war
ein durchtriebener Schelm, und manches, was dem Kloster
zugute kommen sollte, wanderte in seine eigene Tasche.
Dazu plagte und schikanierte er das Küchengesinde, soviel
er konnte. Weder Koch noch Küchenjunge fühlten sich
sicher vor ihm. Daher war ihm keiner hold und zugetan.
Dennoch trieb er es immer so weiter bis zu seinem Tode.
War Kophamel schon im Leben wegen seines Geizes keine Ruhe
vergönnt, so sollte er sie im Tode erst recht nicht
finden. Zur Nachtzeit durchpolterte sein Geist die Räume
des Klosters. Mit lautem Geklirr warf er Kessel vom Bord,
zerbrach Gerätschaften in der Vorratskammer, drehte den
Hahn der Bierfässer im Keller auf und ängstigte bald
diesen, bald jenen Klosterbruder. Da holte man endlich
seinen Sarg wieder aus der Gruft hervor. Wie sich zeigte,
lag der Tote mit offenen Augen und aufgesperrten Mund
darin. Damit erwies sich, dass der Tod für ihn kein
sanfter Schlaf geworden war. Drei Tage stand die Leiche
des Küchenmeisters zur Schau, ehe sich die Mönche
entschlossen, den Sarg aus dem Klosterbereich zu schaffen,
damit der Geist Kophamels sie nicht mehr belästigte. Sie
hatten nun ihre Ruhe, aber seitdem spukt der
Küchenmeister am Iserborn, einem kleinen Hügel, auf dem
der Sarg schließlich ins Grab gelangte.
(aus
"Der schweigsame Fischer", Berlin 1989)
Die
Sage vom 13. Abendmahlgast
An
einem kalten, stürmischen Winterabend wurde recht
energisch an die Klosterpforte geklopft. Ein Reiter, der
ein zweites gesatteltes Pferd mit sich führte, verlangte,
sofort zum Abt gebracht zu werden. Er bat, ein Mönch
möchte ihn begleiten, um seinem schwer verunglückten
Herrn, der sein Ende nahe fühlte, die Beichte abzunehmen.
Aber von den Mönchen erklärte sich in dieser rauhen
Nacht niemand bereit, und so musste der Reiter allein zu
seinem Herrn zurückreiten. Das Gewissen ließ die Mönche
ob ihres Pflichtversäumnisses nicht zur Ruhe kommen. Noch
bevor es Tag wurde, liefen zwei Mönche zum Hof des
Bauern, aber sie kamen zu spät. Nach der Bestattung des
Toten bemerkten die Mönche beim Rückweg, dass neben
ihnen jemand schritt, ohne dass sie eine Gestalt sahen.
Selbst im Klostergang zur Kirche verließ der unangenehme
Begleiter die beiden nicht. Beide Mönche verließen aus
Angst ihre Klosterzelle mehrere Tage nicht. Als nach
einiger Zeit nach damaliger Sitte 12 Personen am
Abendmahlstisch niederknieten und der Priester die Hostie
reichen wollte, bemerkte er mit Schrecken, dass eine 13.
Gestalt niederkniete, deren Gesicht aber nicht zu erkennen
war. Dieses wiederholte sich bei den folgenden
Abendmahlandachten immer wieder, sodass unter den
Kirchenbesuchern und den Mönchen Angst ausbrach. In
langen Konferenzen beschlossen endlich die Mönche, dass
nur der Geist des besagten Bauern der ungebetene Gast sein
könne. Gegen manchen Widerstand wegen der
Gotteslästerung vergruben sie am Grabe des toten Bauern
eine Hostie, um der ruhelosen Seele den gewünschten
Frieden zu geben. Seit dieser Zeit wurde der Geist nicht
wieder gesehen.
(nach
H. Peters)
Texte:
"Dargun
einst und jetzt"" - Kulturverein Dargun
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